Eine Premiere seit anderthalb Jahren: Die Europäische Zentralbank hat beschlossen, ihre Leitzinsen nicht anzuheben. Eine willkommene Pause für Immobilienkäufer in spe.
Der EZB-Rat hat auf seiner jüngsten Sitzung beschlossen, die Leitzinsen nicht anzuheben. Im Einzelnen bedeutet das Stillstand beim Einlagenzins, der im September auf 4 % angehoben worden war – ein Niveau, das seit Einführung der Gemeinschaftswährung 1999 nie erreicht wurde. Es betrifft aber auch den Refinanzierungssatz und den Spitzenrefinanzierungssatz, die damit bei 4,50 % beziehungsweise 4,75 % bleiben.
Für den Immobiliensektor wird vor allem der Refinanzierungssatz genau beobachtet: Es handelt sich um den Zins, den die Banken zahlen müssen, wenn sie sich bei der EZB Geld leihen. Und je höher er ist, desto stärker geben eben diese Banken die Schwankungen an die Kredite weiter, die sie Kaufinteressenten gewähren. Dieser Refinanzierungssatz, der 2014 nur 0,05 % betrug und im September 2022 erst 0,5 % erreicht hatte, hat seither zehn Erhöhungen in Folge erlebt! Das erklärt zu einem großen Teil die Immobilienkrise, die das Großherzogtum und Europa nun schon seit mehreren Halbjahren durchlaufen …
Wie lange dauert die Pause?
„ Wir sind der Auffassung, dass die Zinsen auf ausreichend hohem Niveau liegen und auf diesem Niveau bleiben sollten, um unser Inflationsziel zu erreichen“, erklärte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Bleibt abzuwarten, was die Zukunft bringt: „Eine Diskussion über eine Senkung ist derzeit völlig verfrüht. Wir müssen stabil bleiben und durchhalten, das ist die Entscheidung, die wir heute getroffen haben“, merkte Frau Lagarde weiter an. Sollten die Energiepreise und die geopolitische Lage (Ukraine, Naher Osten) erneut zu Preissteigerungen (und damit zu Inflation) führen, könnte die EZB ihre Position also überdenken … und in den kommenden Monaten wieder höhere Zinsen festsetzen. Vorerst geht es aber zumindest darum, auf diesem Niveau zu bleiben. Und damit darum, dass die Pause eine Weile anhält. Was der Ökonom Bastien Drut im Magazin Capital auf seine Weise zusammenfasst: „Im Euroraum hat sich die Kreditvergabe der Banken aufgrund des Zinsanstiegs ganz klar sehr stark verlangsamt, was auf die Konjunktur drücken wird, und die EZB kann es sich nun leisten abzuwarten, bis das noch etwas stärker auf die Inflation drückt.“
Die unmittelbare Folge für Familien, die ein Immobilienvorhaben beginnen möchten, ist mehr Planbarkeit auf kurze und mittlere Sicht. Und, über erfahrene Fachleute, die Möglichkeit, mit den Banken bestmöglich über die Finanzierung ihres Kaufs zu verhandeln. Im Übrigen beginnen Banken bereits, ihre Zinsen zu senken, um die Erholung zu fördern … Dasselbe gilt für alle, die einen Kredit neu verhandeln möchten.
Der richtige Moment zum Verhandeln
Auf eine Senkung (der EZB-Zinsen) zu warten ist nämlich noch zu ungewiss, wie die Tageszeitung La Tribune dieser Tage anmerkte: „Die große Frage ist nun nicht mehr die künftiger Erhöhungen, sondern die der Dauer, über die die historisch hohen Zinsen gehalten werden. Die Frankfurter Institution könnte nämlich ‚mindestens bis Mitte 2024 abwarten‘, erklärte Frederik Ducrozet, Chefökonom bei Pictet Wealth Management, im September. Angesichts der hartnäckigen Inflation rechnen andere Analysten mit einer Senkung Ende 2024 oder gar Anfang 2025.“
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